Cleo hat den Anblick in den Spiegel immer genossen … bis zu einem folgenschweren Unfall. Zweiundzwanzig Monate später kehrt sie in ihre Schule zurück und muss feststellen, dass die Narben, die ihr Gesicht entstellen, alles ändern – ihre Freundschaften, ihre Position in der Schule, aber vor allem Cleos Lebensmut, der mit jedem Tag abnimmt. Wie soll man auch weitermachen, wenn man glaubt, alles verloren zu haben? Erst die sehbehinderte Terisa und deren bester Freund Simon finden Zugang zu Cleo und zeigen ihr, was das Leben wirklich ausmacht und dass Schönheit und Liebe nicht von Narben bestimmt werden.

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ISBN: 978-9963-53-893-5

Seiten: 201

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Jennifer Waschke

Jennifer Waschke
Jennifer Waschke wurde am 15.06.1988 geboren. Aufgewachsen im Kölner Norden lebt sie inzwischen in Dormagen, fühlt sich jedoch noch immer mit Köln verbunden. Sie ist staatlich anerkannte Erzieherin und Sozialarbeiterin und arbeitet in einer Abteilung vom Jugendamt. Dort installiert sie Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Legasthenie und Dyskalkulie. Seit ihrer frühsten Kindheit schreibt sie Geschichten und träumt davon, ihre eigenen Bücher in den Händen halten zu können. Dabei ist es ihr ein Anliegen, mit ihren Geschichten nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen. Die Autorin freut sich, über Social Media von ihren Lesern zu hören.  

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Prolog

»ist du sicher, dass ich nicht mit hineinkommen soll?«, fragte ihre Mutter zum vierten Mal. Terisa schüttelte energisch den Kopf. Wieso musste sie immer übertreiben und sie in Watte packen?
   »Ich komme schon klar«, erwiderte Terisa, ehe ihre Mutter erneut fragen konnte. Sie raffte ihren Rucksack, öffnete die Tür des Wagens und klappte ihren Stock aus, der mit einem leisen Klack auf dem Gehweg aufkam.
   »Ich wünsche dir einen ganz tollen ersten Tag«, sagte ihre Mutter, während Terisa mit ihrem Stock den Boden abtastete. Die Autotür hinter ihr schwang zu. Sie hörte jedoch nicht, dass der Wagen wegfuhr. Vermutlich beobachtete ihre Mutter sie noch und verfolgte jeden ihrer Schritte, stets darauf gefasst, sie zu retten. Aber sie wollte nicht gerettet werden.
   Der Wunsch, auf diese Schule zu gehen, war viel zu lang in Terisa, als dass sie sich die Blöße geben würde, sich helfen zu lassen. Ihre Mutter war wegen des Schulwechsels nervös und in den letzten Wochen in einige für sie untypische, gluckenhafte Verhaltensmuster verfallen. Terisa war wegen des Wechsels nicht weniger nervös, sodass es ihr gutgetan hätte, wenn ihre Mutter stärker an sie und diese neue Schule geglaubt hätte – wenn sie Terisas Nervosität damit aufgesaugt hätte. Stattdessen hatte sie sie verschlimmert, und nun hoffte Terisa nur noch, dass sie in dieser Schule gut Anschluss finden würde, damit ihre Mutter wieder die alte werden könnte.
   Nach exakt vierundvierzig Schritten stieß sie mit ihrem Stock an eine Barriere. Langsam tastete sich Terisa vor. Ihr Stock glitt einige Zentimeter an der Barriere hoch, bis er sich wieder nach vorn bewegen ließ, um erneut auf eine Barriere zu stoßen. Eine Treppe. So sicher, wie sie konnte, erklomm sie Stufe für Stufe und landete schließlich oben. Sofort umgab sie ein Stimmengewirr, das sie verunsicherte. Tief ein- und ausatmend versuchte Terisa, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und trotzdem weiterzugehen.
   Ein kleiner Hieb traf sie am Ellenbogen. Erschrocken blieb sie stehen.
   »Hey, bist du blind oder was? Pass doch auf«, schimpfte eine männliche Stimme.
   »Ähm … ja? Bin ich«, antwortete Terisa unsicher und hielt demonstrativ ihren Langstock hoch. Doch die Schritte des Jungen entfernten sich schon wieder. Verärgert schüttelte sie den Kopf. Solche Sprüche hatte sie auf ihrer alten Schule nicht gehört – eine spezielle Schule für sehbehinderte Kinder und Jugendliche. Aber sie hatte diesen Schulwechsel auf die Regelschule unbedingt gewollt. Seit Jahren hing sie ihrer Mutter damit in den Ohren, hatte sie angefleht, es zu versuchen, bis sie endlich die Erlaubnis bekommen hatte. Nach all den Bemühungen musste sich Terisa eine dickere Haut anlegen, um solche Sprüche problemlos hinunterzuschlucken.
   Doch ein erneuter Rempler ließ sie straucheln. Ihr Langstock fiel scheppernd zu Boden. Terisa fluchte leise.
   »Sieh dir nur an, was du angerichtet hast, du dämliche Kuh!«, hörte sie eine weibliche Stimme direkt vor ihr zetern. »Deinetwegen habe ich meinen Chai Latte verschüttet. Das Oberteil werde ich reinigen müssen!«
   »Ich … es tut mir leid«, murmelte Terisa, auch wenn sie sich nicht sicher war, wer an diesem Zusammenstoß tatsächlich Schuld hatte. Peinlich berührt versuchte sie, ihren Stock aufzuheben. Sie tastete sich vorwärts und spürte förmlich die Blicke der Umstehenden. So hatte sie sich den ersten Tag an einer Regelschule nicht vorgestellt.
   Terisa fand endlich ihren Stock, doch irgendetwas beschwerte ihn, sodass sie ihn nicht aufheben konnte.
   »Entschuldigung, aber kann es sein, dass du auf meinem Stock stehst?«, fragte sie vorsichtig und hörte daraufhin eine abfällige Lache.
   »Was bist du? Eine Art Freak?«, verpönte das Mädchen sie, und einige der Umstehenden lachten. Ein fieses, gemeines Lachen, das nur dazu gedacht war, Terisa zu verletzen.
   »Ich bin blind, wenn du es genau wissen willst«, erwiderte Terisa und klang dabei sehr viel tougher, als sie sich innerlich fühlte.
   »Sag ich doch: ein Freak«, johlte das Mädchen.
   Terisa war es unverständlich, wie sie so gemein sein konnten, wo die Mädchen sie doch gar nicht kannten. Sie überkam das Gefühl, gleich weinen zu müssen – ob vor Scham oder Wut, wusste sie nicht. Doch sie ließ die Tränen nicht zu. Keinesfalls würde sie als das blinde Mädchen enden, das am ersten Tag vor allen geheult hatte.
   Terisa ließ von dem Versuch, ihren Stock aufzuheben, ab und richtete sich auf, um wenigstens nach außen hin würdevoll und mutig zu wirken.
   »Keine Ahnung, warum die Schule auch Behinderte hier aufnimmt. Dafür gibt’s doch Sonderschulen«, sagte das Mädchen und Terisa hörte, wie einige andere Mädchen lachten und ihr zustimmten.
   Allmählich wurde Terisa sauer über die Art, wie dieses hochnäsige Mädchen mit ihr umsprang. Was zum Teufel hatte sie eigentlich für ein Problem?
   »Ob es dir passt oder nicht, ich bin jetzt hier. Das nennt man Inklusion«, antwortete sie und hielt ihr Gesicht extra hoch, um keine Schwäche zu zeigen. Sie hatte sich angewöhnt, auf solche Leute besonders stark wirken zu wollen. Zu oft hatte sie von Bekannten aus ihrer alten Schule mitbekommen, wie sie in eine Opferrolle verfielen. Wenn man eine Behinderung hatte, offenbarte man seinen Mitmenschen seine Schwachstelle und wurde schnell zur Beute. Menschen ohne Behinderungen hatten es leichter. Sie konnten ihre Schwachstellen besser vertuschen. Terisa jedoch wollte nicht, dass sie jemand für schwach hielt. Sie wollte als ebenbürtig angesehen werden, weshalb es ihr auch so wichtig gewesen war, auf diese Schule zu gehen.
   »Unser Neuzugang scheint ganz schön vorlaut zu sein«, antwortete das Mädchen, und ihre Stimme wurde schneidend.
   Terisa spürte, wie das Mädchen ihr näher kam und sich direkt vor ihr aufbaute. Sie schien größer zu sein als Terisa.
   »Ich habe einen gut gemeinten Rat für dich: Halt dich von mir fern! Sonst lernst du mich richtig kennen!« Das Mädchen rempelte Terisa erneut an, ebenso wie zwei andere Schüler oder Schülerinnen, die ihr folgten. Ihre Schritte entfernten sich, und Terisa atmete auf.
   »Du solltest Cleo wirklich aus dem Weg gehen. Die meint das ernst«, ertönte plötzlich eine weitere, diesmal männliche Stimme hinter ihr und ließ sie zusammenfahren. Sie hasste es, wenn sich Leute anschlichen.
   »Keine Panik«, sagte der Junge. »Ich bin nicht wie die Eiskönigin.« Er drückte Terisa etwas in die rechte Hand. Erstaunt ertastete sie ihren Langstock, den er für sie aufgehoben hatte.
   »Die Eiskönigin?«, hakte Terisa nach und umklammerte ihren Stock, um ihn nicht wieder zu verlieren. Ohne ihn fühlte sie sich in dieser fremden Umgebung unsicher und verletzlich.
   »Na, Cleo … der Schrecken unter den Mädchen. Sie ist im Inneren so kalt wie Eis, aber so beliebt wie eine Königin.« Der Junge lachte, aber es klang verbittert.
   Unwillkürlich fragte sich Terisa, wie jemand mit solch einem Benehmen beliebt sein konnte, und ihr fiel keine plausible Erklärung ein. Sie wusste zwar, dass die machtvollsten Menschen meist die schlechtesten Menschen waren – das hatte die Geschichte gezeigt –, aber auch das hatte sie noch nie nachvollziehen können. Sie fragte sich, ob die Beliebtheit dieser Cleo damit zusammenhängen könnte, dass die anderen Schüler Angst vor ihr hatten. Terisa für ihren Teil hatte jedenfalls ein beängstigendes Gefühl bei ihr, auch wenn sie nach außen hin versucht hatte, cool zu wirken. Im Innern war sie wie ein feiger Hase davongelaufen.
   »Du bist neu hier«, stellte der Junge fest und riss Terisa aus ihren Gedanken. »Ich bin Simon.« Er streckte ihr eine Hand entgegen und berührte sie umsichtigerweise leicht mit den Fingerspitzen, damit sie es spüren konnte.
   Lächelnd nahm Terisa seinen Handschlag an. »Ich bin Terisa, aber du kannst mich Terry nennen«, antwortete sie, während sie die Hand schüttelte.
   Simon brachte sie zum Sekretariat, und Terisa war erleichtert, nicht mehr in die Situation kommen zu müssen, mit anderen zusammenzustoßen. Die Begegnung mit Cleo hatte ihr gereicht und saß ihr noch in den Knochen. In Zukunft würde sie versuchen, einen großen Bogen um dieses Mädchen zu machen. Mit Eisköniginnen sollte man sich nicht anlegen. Das ging schon in Filmen nicht gut aus.

Kapitel 1
Zwei Jahre später

»Cleo, beeil dich bitte! Sonst kommst du am ersten Tag noch zu spät«, rief ihre Mutter ungeduldig, während sich Cleo im Spiegel betrachtete. Sie hatte ihr Lieblingskleid angezogen – das dunkelviolette, das ihre Haut zum Strahlen brachte. Eigentlich. Als sie es dieses Mal im Spiegelbild sah, konnte sie nichts von dem Glanz oder von der Schönheit erkennen, die sie einst umgeben hatten. Sie begutachtete ihre geschwungenen Lippen und ihr blondes Haar, das ihr in sanften Wellen über das linke Ohr fiel. Es sah seidig und gesund aus, und sie wusste, dass die halbe Stadt sie um ihre gesunden Haare beneidete. Beneidet hatte …
   Sie wandte ihren Blick von ihrer linken Gesichtshälfte ab, schluckte schwer und schmerzhaft und betrachtete ihre rechte Seite. Ihr glanzvolles Haar war weg, ebenso wie ihr rechter Nasenflügel, der ein kleines, deformiertes Loch hinterlassen hatte, über das sich nun rosa Haut spannte, die sich über ihre Wange, ihren Mund und ihr Ohr ausbreitete. Sie sah schrecklich aus! Wie ein Monster. Ein Anblick, den auch das schöne Kleid und die sorgfältig geschminkte linke Gesichtspartie nicht verbessern konnten. Diese Entstellung war von Dauer. Und heute würde der Tag sein, an dem sie der Schule diese Entstellung offenbaren musste.
   Seit der Party vor zwei Jahren – dieser dämlichen Party – hatte sie niemand mehr gesehen. Einige ihrer Mitschüler hatten sie im Krankenhaus besuchen wollen, aber sie hatte abgelehnt. Anfangs aus Ekel vor sich selbst. Der Gestank des verbrannten Fleischs war penetrant und ekelerregend gewesen. Noch zwei Jahre danach war es ihr manchmal so, als wäre der Geruch noch da – als würde er an ihr haften und nie wieder weggehen. Er hatte sich in ihrem Gedächtnis eingebrannt und würde sie vermutlich für immer begleiten.
   Diesen Geruch hatte sie niemandem zutrauen wollen. Nur ihre Eltern hatten sie besucht und umsorgt, obgleich sich Cleo auch vor ihnen geschämt hatte. Scham war auch der Grund gewesen, wieso sie später niemanden hatte sehen wollen, als der verbrannte Geruch verschwunden war und sie neue, verletzliche Haut transplantiert bekommen hatte.
   Seit dem Unfall hatte sie sich von allen abgeschirmt und sich verschanzt, egal, wie oft ihre Eltern ihr gesagt hatten, sie solle wieder vor die Tür gehen.
   Wenn sie so wie jetzt in den Spiegel blickte, verstand sie einmal mehr, wieso sie sich in ihrem Haus versteckt gehalten hatte. Sie sah in ihrem Spiegelbild nur noch einen Schatten ihrer selbst. Links das beliebteste Mädchen der Schule, Klassensprecherin und der Schwarm der Jungs. Rechts ein Horrorfilmverschnitt, der die Kinder das Fürchten lehren konnte.
   Ihre Mutter betonte seit genau zweiundzwanzig Monaten immer und immer wieder, dass sie nach wie vor hübsch sei und dass sie nichts entstellen könne, aber ihre Augen verrieten, dass sie es nicht so meinte. Oft bildeten sich Tränen in ihnen, wenn sie Cleo ansah. Wenn sie es überhaupt tat, denn Cleo hatte den Eindruck, dass ihre Mutter ihr weniger ins Gesicht blickte. Vermutlich, weil sie ebenso wenig den Anblick ihrer vernarbten Haut ertragen konnte wie Cleo selbst.
   »In fünf Minuten müssen wir los«, brüllte ihre Mutter erneut hoch, und Cleo seufzte kapitulierend.
   Egal, wie lange sie sich betrachtete, so würde sich das Spiegelbild doch nicht ändern. Auch ihre Angst vor dem vor ihr liegenden Tag konnte sich nicht in Luft auflösen. Sie wandte den Blick vom Spiegelbild ab, schulterte ihren hellgrauen Lederrucksack und ging die Treppe hinunter.
   Der Weg in die Schule war schweigsam und quälend. Nach einigen Versuchen ihrer Mutter, Cleo zu beruhigen und ihr Mut zuzusprechen – auf die sie nicht reagiert hatte –, wurde das Radio eingeschaltet, um einer weiteren Konversation aus dem Weg zu gehen. Auch ihre jüngere Schwester auf dem Rücksitz sagte nichts, musterte Cleo jedoch mit hochgezogenen Augenbrauen.
   Bereits aus dem Auto heraus erkannte Cleo ihre alte Clique. Monique, Sarah, Leo und Verena saßen auf der Mauer neben dem Schuleingang, direkt unter einer der großen Eichen. Cleo hatte diesen Ort damals für sie ausgesucht. Vor ihrem Unfall war der Platz in der Mitte für sie reserviert gewesen, doch nun saß dort Monique. Dieses Bild hinterließ ihr eine Gänsehaut von der Fußsohle bis zur Kopfhaut. Es zeigte, wie lang sie weggewesen war, und wie viel sich seitdem verändert hatte.
   »Ruf an, wenn irgendetwas ist«, verabschiedete ihre Mutter sie und blickte sie besorgt an.
   Cleo nickte und öffnete schweren Herzens die Autotür. Unwillkürlich schossen ihr tausend Gedanken durch den Kopf. Bilder und Prognosen, wie dieser erste Tag verlaufen könnte, schlichen sich in ihr ein und verursachten eine beinahe lähmende Angst. Sie wollte zu ihrer Clique gehen, aber ihre Füße gehorchten ihr nicht, als würden sie noch überlegen, zu fliehen. Die Idee, wieder in den Wagen zu steigen und sich eine Decke über den Kopf zu ziehen, um der Schule und ihren Mitschülern zu entgehen, kam ihr mit einem Mal verlockend vor. Denn die Wahrheit war, dass Cleo Angst hatte. Und das, obwohl sie sich mit Angst mittlerweile gut hätte auskennen sollen, nach allem, was sie erlebt hatte.
   Während des Unfalls, eingeschlossen in dem Meer aus Flammen, war ihr die Angst pulsierend vorgekommen. Sie war wie Stromschläge durch ihren Körper gefahren und hatte ihr ebenso die Luft zum Atmen genommen wie auch der Rauch, der langsam ihre Lungen gefüllt hatte.
   Cleo zupfte unsicher an ihrem Kleid. Sie fühlte sich verletzlich, und das war eine Empfindung, die sie in Verbindung mit der Schule und ihrer Clique noch nie gespürt hatte. Cleo war immer tough und mutig gewesen, sicher und stolz. Sie war die geborene Anführerin. Sie hatte diese Menschen zusammengebracht und aus ihnen eine Clique gemacht. Sie war der gemeinsame Nenner, und sie schwor sich, dass auch der Unfall ihr das nicht wegnehmen könnte.
   Und so atmete sie ein paar Mal tief durch und ging schnellen Schrittes auf die Mauer zu.
   Von Weitem hörte sie Monique laut über irgendeinen Kommentar von Sarah lachen, und ihr Herz begann zu rasen, als wollte es jeden Moment aus der Brust springen. Noch schien Cleos Anwesenheit niemandem aufzufallen, aber die Clique hatte unter ihrem Regiment auch gelernt, sich nicht durch andere stören zu lassen, sondern sich aufeinander zu konzentrieren.
   »Hallo Leute«, stotterte sie, als sie nah genug stand, um gehört zu werden. Cleo spürte die Blicke einiger umherstehender Mitschüler auf sich, die sie jedoch gewissenhaft ignorierte. Diese Leute zählten nicht. Die einzigen, die wirklich wichtig waren, saßen direkt vor ihr.
   Verena war die Erste, die zu ihr aufsah. Verwirrt runzelte sie die Stirn, als würde sie Cleo nicht erkennen, doch dann weiteten sich ihre Augen. Ihr Blick huschte über Cleos rechte Gesichtshälfte, von ihrer Nase zu ihrem Ohr und über ihre Haare, ganz so, wie sie es erwartet hatte. Und obwohl sie darauf gefasst gewesen war, war diese Musterung wie ein Stich in ihr ohnehin verletztes Herz, wie ein Finger in einer Wunde.
   »Cleo?«, fragte Verena skeptisch und verschaffte ihr die Aufmerksamkeit der anderen, die sie ansahen, als hätten sie einen Geist gesehen.
   »Ich bin es. Ich gehe ab heute wieder zur Schule«, antwortete Cleo so laut und selbstsicher, wie sie konnte.
   »Du siehst …«, Leo räusperte sich, »Ich meine: Geht’s dir gut?« Würde er weiterhin den Mund offen stehen lassen, würde er noch riskieren, eine Fliege zu verschlucken.
   »Ist schon gut, Leo. Ihr könnt aufhören, so zu gucken. Ich weiß, dass es schlimm aussieht, aber ich komme klar.« Auch wenn der letzte Satz nicht stimmte, wollte Cleo nicht den Anschein erwecken, schwach zu sein. Wenn sie wieder zu ihrem alten Ich wiederkehren wollte, brauchte sie so viel Stärke, wie sie ausstrahlen konnte.
   »Schön, das freut mich für dich«, meldete sich erstmals Monique zu Wort. Ihre Stimme war eisig und erinnerte nicht im Entferntesten an das Mädchen, das vor zwei Jahren Cleos beste Freundin gewesen war. »Wir sehen uns sicher später. Wir müssen jetzt rein.« Monique gab deutlich erkennbare Signale an die anderen, die daraufhin aufstanden wie aufgescheuchte Hühner und Cleo hinter sich ließen, ohne sich noch mal umzudrehen.
   Cleo war sich durchaus bewusst, dass dies eine Abfuhr gewesen war. Himmel, schließlich hatte sie diesen Abgang quasi erfunden, so oft, wie sie irgendwelche Mädchen und Jungs abgewiesen hatte, die mit ihnen hatten rumhängen wollen. Nur, dass sie es nur bei Leuten angewandt hatte, die uncool waren. Und Cleo wollte noch nicht akzeptieren, einer von diesen Menschen zu sein. Natürlich wusste sie, dass ihr Äußeres sie nicht mehr glänzen ließ, aber sie hatte dennoch die Hoffnung gehabt, in ihrer Clique echte Freunde zu haben, die auch zu ihr hielten, wenn es mal nicht so gut für sie lief.

Der Unterricht war anstrengend. Nicht nur, weil Cleo während ihrer Zwangspause so viel Schulstoff versäumt hatte, dass sie eine Klasse wiederholen musste, sondern auch, weil sie angegafft wurde wie eine Zirkusattraktion. Egal, ob auf den Gängen oder während sie versuchte, den Lehrern zu folgen – sie spürte diese Blicke überall und so intensiv, dass sich Übelkeit und Aggressionen in ihr breitmachten. Anfangs hatte sie zurückgestarrt, um die Gaffer zu provozieren, aber dann hatte sie all die Gefühle in den Gesichtern gelesen: Ekel, Neugier, Trauer. Also hatte sie damit aufgehört, denn sie wollte lieber versuchen, nichts zu fühlen, anstatt sich den Emotionen der anderen anzunehmen und nachher einen Nervenzusammenbruch zu bekommen.
   Selbst die Lehrer schenkten ihr hin und wieder mitleidige Blicke, als wäre sie ein ausgesetzter Hundewelpe. Es war insgesamt wohl der schlimmste Schultag in Cleos Leben und das, obwohl es nicht mal zur Mittagspause geklingelt und sie noch weitere drei Stunden vor sich hatte.
   Ihr war schon jetzt klar, dass ihre neue Klasse sie nicht integrieren wollte – das sah sie an den Blicken der anderen – und gleichzeitig war ihr klar, dass sie ebenso wenig integriert werden wollte. Alle ihre Mitschüler waren eindeutig jünger als sie, eine Tatsache, die sie störte. Hinzu kam, dass sich die meisten von ihnen alles andere als modisch kleideten und auch sonst mehr zu der Sorte Menschen gehörten, die Cleo früher ignoriert hatte. Als es zur Mittagspause läutete und die Klasse an ihr vorbeiströmte, musterte sie alle aufmerksam. Sie sah unter ihnen dieses merkwürdige blinde Mädchen, deren Name Cleo entfallen war. Aber sie erinnerte sich noch an sie. Sie war eine Woche vor ihrem Unfall auf die Schule gekommen, und Cleo hatte sich gefragt, was in die Schulleiterin gefahren war, dass sie ein behindertes Mädchen aufnahm. Sie fand diese milchig-trüben Augen gruselig und hatte sie nicht regelmäßig sehen wollen. Und nun hatte Cleo dieses Mädchen mit ihren gruseligen Augen tagtäglich vor sich …
   Selbstbewussten Schrittes ging Cleo an den anderen vorbei, bog in die Cafeteria ab und holte sich am Automaten eine Tüte Kartoffelchips, Moniques und ihre Lieblingsmarke. Sie hatte den Wunsch, die Mittagspause mit ihrer alten Clique zu verbringen und würde sich nicht noch mal abservieren lassen. Mit den Snacks bewaffnet näherte sie sich dem Tisch in der Mitte, an dem die anderen bereits saßen.
   »Jemand Lust auf Chips?«, fragte sie, als sie vor Monique stand. Sie hielt demonstrativ die Tüte in die Höhe, damit die anderen die Marke lesen konnten.
   Monique betrachtete sie abfällig. »Ich esse keine Kohlenhydrate mehr. Ich mache eine Low-Carb-Diät.«
   »Das klingt interessant. Wie funktioniert das denn?«, erwiderte Cleo, doch Monique hatte sich bereits wieder Verena zugewandt, die sie über die Schultern hinweg entschuldigend ansah.
   Es war schmerzhaft, so abgewiesen zu werden, aber Cleo war nicht bereit, aufzugeben. Kurz entschlossen setzte sie sich zu den anderen an den Tisch. »Meine neue Klasse ist echt lahm«, witzelte sie und hoffte auf ein paar Lacher, so wie früher.
   »Dann passen sie ja zu dir«, antwortete Monique und bleckte die Zähne wie ein Raubtier vor dem Sprung. »Cleo, du weißt, dass ich dich schätze, aber das mit uns war einmal. Du gehörst nicht mehr zu unserer Clique.«
   »Aber …«
   »Du wirst doch verstehen, dass wir mittlerweile in zwei verschiedenen Welten leben und sich in den zwei Jahren zu viel verändert hat«, unterbrach Monique sie und ließ ihr keine Chance, etwas zu erwidern. Moniques Stimme war schneidend und ließ keinen Widerspruch zu. Die anderen sagten keinen Ton, obgleich Cleo sie mit ihren Blicken anflehte. Doch Monique war nun die Anführerin der Truppe, und Cleo wusste aus eigener Erfahrung, dass sie ihr nicht widersprechen würden. Also kapitulierte sie. Wie in Trance griff sie sich ihre Chips und stand vom Tisch auf.
   »Bei ihrem Anblick vergeht einem wirklich jeder Appetit«, hörte sie Monique zu den anderen sagen, kaum dass sie ihnen den Rücken zugedreht hatte.
   Sie war sich sicher, dass Monique extra laut sprach, um sicherzugehen, dass sie diesen Kommentar auch hören würde. Und er saß! Cleo fühlte sich benommen, als hätte man ihr mit voller Wucht in den Magen geboxt. Sie nahm die anderen Schüler nur verschwommen wahr, als sie aus der Cafeteria stürmte und sich Tränen anbahnten.
   Auf ihrer Flucht rempelte sie einige der Schüler an, aber sie blickte nicht zurück. Stattdessen kämpfte sie sich durch die Gänge und spürte, wie die ersten Tränen ihre Wange hinunterliefen. Auf keinen Fall wollte sie, dass sie jemand in der Schule weinen sah. Nicht an ihrem ersten Tag und nicht, wenn ohnehin schon alle auf sie guckten. Fieberhaft überlegte sie, ob sie es bis auf den Schulhof schaffen würde, um sich dort irgendwo zu verschanzen, aber sie wusste, dass sie nicht weiter durch die Gänge streifen konnte, ohne gesehen zu werden.
   Links neben ihr ging die Tür der Mädchentoilette auf und zwei fröhlich plappernde Mädchen kamen heraus, die so in ihr Gespräch vertieft waren, dass sie nicht bemerkten, wie Cleo durch die geöffnete Tür huschte. Der Vorraum war leer. Cleo ging auf eine der Kabinen zu, schloss sich darin ein und ließ sich auf dem Toilettendeckel nieder. Nur Sekunden später liefen ihr die Tränen übers Gesicht, und sie schluchzte bitterlich.
   Dies war also ihr erster Schultag nach zweiundzwanzig Monaten: Sie hockte in einer muffig riechenden Toilettenkabine und heulte Rotz und Wasser. Seit Monaten hatte sie sich nicht mehr so allein und hässlich gefühlt wie in diesem Moment. Man hätte meinen können, dass sie die Einsamkeit gewohnt war, wo sie doch die letzten zwei Jahre keinen ihrer Freunde gesehen hatte. Aber bislang hatte sie sich eingeredet, dass sie einfach ihren Wunsch respektiert hatten, als sie sich nicht mehr meldeten – dass sie ihr den Raum gaben, den sie brauchte. Es war Cleos Hoffnung gewesen, dass ihre Clique sie verstehen und wieder in ihren Kreis aufnehmen würde. Doch diese Hoffnung war zerschlagen, und der ablehnende Gesichtsausdruck von Monique würde ihr wohl für immer im Gedächtnis bleiben, ebenso wie ihr Spruch. »Bei dem Anblick vergeht einem der Appetit«, hatte sie gesagt, und Cleo biss sich beschämt auf die Lippe. Mit zitternden Händen betastete sie ihre Haut auf der rechten Gesichtshälfte. Sie fühlte sich weich an, viel weicher als die normale Haut, und gleichzeitig konnte sie Erhebungen und Verhärtungen spüren, weil das Narbengewebe nicht gleichmäßig gewachsen war. Mittlerweile tat es nicht mehr weh, sie zu berühren, und es juckte auch nicht mehr so fürchterlich wie zu Beginn, als die neue Haut hatte heilen müssen. Trotzdem spürte sie mit den Fingerspitzen, dass sich die Haut anders anfühlte als sie sollte. Sie konnte ertasten, dass sie nicht dorthin gehörte, sondern transplantiert war – und man sah es auch, denn die Haut war rosa, zu Beginn sogar rot gewesen.
   Ihre Fingerspitzen wanderten weiter, diesmal zu ihrem nach hinten gerutschten Haaransatz. Die Ärzte hatten gesagt, dass ihre Haare an den verbrannten Partien vermutlich nie wieder nachwachsen würden. Auch eine Haartransplantation sei auf der transplantierten Haut nicht möglich.
   Unwillkürlich fuhr ein wütender Schrei aus Cleo, während sie wieder heiße Tränen ansammelte. Sie fühlte sich, als hätte sich die ganze Welt gegen sie verschworen.
   »Alles in Ordnung da drin? Kann ich dir irgendwie helfen?«, fragte plötzlich die Stimme eines Mädchens, das zaghaft an die Kabinentür klopfte.
   Cleo war so in ihrer Gedankenwelt versunken gewesen, dass sie nicht gemerkt hatte, wie jemand die Toilette betreten hatte.
   »Alles bestens, danke«, murmelte sie beschämt und hoffte, das Mädchen würde schnell wieder gehen. Doch die hellblauen Turnschuhe, die sie durch den Schlitz der Kabinentür sah, verschwanden nicht.
   Cleo bemühte sich, ihren Tränenfluss zu stoppen und wieder einen klaren Kopf zu bewahren. Instinktiv wusste sie, dass das Mädchen nicht gehen würde. Vermutlich war sie einer dieser überfürsorglichen Mutti-Verschnitte, die sich gern in die Angelegenheiten anderer einmischten. Gleichzeitig war sie sich sicher, dass die Mittagspause bald zu Ende sein würde, sodass sie sich ohnehin sammeln musste. Sie riss ein großes Stück Toilettenpapier ab, tupfte sich ihre nassen Wangen ab und putzte sich geräuschvoll die Nase, ehe sie die Kabine verließ. Vor ihr stand dieses blinde Mädchen, das nun in ihrer Klasse war.
   »Ist wirklich alles in Ordnung?«, fragte sie vorsichtig und sah in Cleos Richtung, was seltsam war und die Frage hinterließ, woher sie wusste, wo sie stand. Spürte sie das? Oder war es mehr eine Ahnung?
   »Ich sagte doch, dass alles bestens ist«, erwiderte Cleo knapp und trat ans Waschbecken. Bei ihrem Anblick hätte sie am liebsten sofort wieder geweint, denn neben all den Spuren, die die Flammen hinterlassen hatten, sah man auch noch, dass sie geweint hatte. Ihre Augen waren rot und geschwollen, ebenso wie ihre Nase rötlich schimmerte, was in Verbindung mit ihrer rosa Haut fürchterlich aussah. Kurzerhand klatschte sie sich kaltes Wasser ins Gesicht, was jedoch nur wenig Effekt hatte.
   Dieses merkwürdige Mädchen stand noch immer vor der Toilettenkabine und wirkte nachdenklich.
   »Du bist Cleo, richtig? Ich erkenne dich an deiner Stimme«, sagte sie aus heiterem Himmel.
   Schnell wägte Cleo ihre Optionen ab. Das Mädchen war blind und konnte nicht sehen, ob sie es tatsächlich war, also wäre es durchaus denkbar, zu lügen. Sie wollte sich nicht die Blöße geben, ihr zu bestätigen, dass sie diejenige gewesen war, die geweint hatte. Andererseits wusste sie, dass blinde Leute einen guten Gehörsinn hatten und sie somit vermutlich wirklich gut darin war, Stimmen zuzuordnen.
   »Und wenn schon … lass mich in Ruhe!«, äußerte Cleo patzig und pfefferte eines der Papierhandtücher in den Mülleimer.
   »Ich habe das von deinem Unfall gehört. Das tut mir sehr leid. Es ist sicher nicht leicht, wieder in der Schule zu sein«, sagte das Mädchen und schien sich von Cleos schroffer Art nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
   Sie hatte eine entspannte Art, die ihr etwas Leichtes verlieh und Cleo an einen Geist erinnerte. Vor allem in Verbindung mit den milchigen Augen. Sofort durchfuhr sie ein Schauder. »Was weißt du denn schon?«, platzte es aus Cleo heraus. Sie stürmte genau in dem Moment aus der Toilette, als es zur nächsten Stunde läutete.

Kapitel 2

u Hause löcherten Cleos Eltern sie über den ersten Schultag. Alles, was Cleo daraufhin über die Lippen kam, waren Lügen. Sie erzählte, dass sie sich leicht in ihrer neuen Klasse eingefunden habe und dass sie gut im Unterricht mitgekommen sei. Von ihrer unglücklichen Begegnung mit ihrer alten Clique erzählte sie ebenso wenig wie von ihrer Heulattacke auf der Toilette. Zum einen wollte sie nicht, dass sich ihre Eltern um sie sorgten, wo die letzten zwei Jahre nur aus Sorgen bestanden hatten. Zu oft hatte sie ihre Eltern weinen gehört oder mitbekommen, wie sich ihre Mutter sorgte, dass ihr Chef ihre Ausfallzeiten nicht mehr tolerieren würde – Zeiten, die sie bei Cleo in der Spezialklinik verbracht hatte und die ihre Mutter letztendlich ihren Job gekostet hatten. Hinzu kam, dass sie nicht bereit war, über das Vorgefallene zu sprechen. Sie wollte keine tröstenden Worte. Sie wollte nicht hören, dass »alles wieder gut werden würde«, weil sich das in ihren Ohren langsam aber sicher wie eine glatte Lüge anhörte. Daher bewahrte sie ihre Eltern vor weiteren Lügen und tat es stattdessen selbst. Und sie war erstaunt, wie leicht es ihr fiel, die Unwahrheit zu sagen.
   »Sprechen wir doch mal über eure Geburtstage. Na, wie wär’s?«, fragte ihr Vater sie überschwänglich, als Cleo mit ihrer Familie beim Essen saß.
   Ihre jüngere Schwester Serina kreischte freudig bei der Erwähnung ihres Geburtstags, so, wie es Cleo früher auch getan hätte. Serina hatte sechs Wochen vor Cleo Geburtstag und würde vierzehn werden, während Cleo dieses Jahr ihren sechszehnten Geburtstag haben würde.
   Serina plauderte sofort drauflos und zählte auf, wen sie alles zu ihrer Party einladen würde. Ihre Eltern waren berühmt dafür, große Geburtstagspartys zu schmeißen, und Cleo war immer jemand gewesen, die diese Eigenschaft ausgenutzt hatte. An ihrem vierzehnten Geburtstag hatte sie das ganze Haus in Beschlag genommen und alle Leute eingeladen, die sie mochte und kannte. Ihren fünfzehnten Geburtstag hatte sie hingegen im Bett verbracht, da sie zu dieser Zeit noch tagtäglich ihre Kompressionsmaske hatte tragen müssen – eine Art Skimaske, nur in weißgrau und eng anliegend, um den Heilungsprozess der Haut zu unterstützen. Lediglich ihre Familie hatte sie mit diesem furchtbaren Teil sehen dürfen, und so war ihr letzter Geburtstag trostlos gewesen. Ebenso trostlos, wie ihr sechzehnter Geburtstag werden würde. So, wie die Dinge standen, hatte sie niemanden, den sie zu einer Party einladen konnte. Monique und die anderen würden, ihrem Auftreten Cleo gegenüber nach zu urteilen, niemals erscheinen, und auch sonst war bei ihr nicht der Eindruck entstanden, dass sich jemand gefreut hatte, sie wiederzusehen.
   Nach und nach stiegen Eifersucht und Neid in Cleo auf, während sie ihrer Schwester zuhörte, wie sie über ihren großen Freundeskreis berichtete. Sie war ebenso hübsch, wie Cleo es einst gewesen war: mit junger, reiner Haut, vollem Haar und einem Schmollmund, der die Jungs um den Verstand brachte. Serina war all das, was Cleo nicht mehr war, und schlagartig wurde ihr bewusst, dass sie in Serinas Alter gewesen war, als ihr all das genommen wurde.
   »Ich gehe hoch in mein Zimmer, okay?«, fragte Cleo plötzlich und stand eilig vom Tisch auf. Sie ignorierte die verdutzten Blicke ihrer Familie, räumte ihren Teller ab, von dem sie kaum gegessen hatte, und ging hinauf in ihr Zimmer. Übelkeit war in ihr aufgestiegen, während sie begonnen hatte, an ihr früheres Ich zu denken. Cleo wollte nicht eifersüchtig auf ihre kleine Schwester sein und diese negativen Gefühle haben, wenn es um sie ging. Aber sie wusste auch nicht, wie sie die Eifersucht ausschalten sollte. Sie hatte sich in ihr Herz geschlichen und verdunkelte es Stück für Stück, als würde der Neid hässliche Flecken hinterlassen. Cleo fühlte sich mit einem Mal schmutzig.
   Serina hatte ihr in den vergangenen zweiundzwanzig Monaten zur Seite gestanden und war oft das einzige Licht am Horizont gewesen. Regelmäßig war ihre Schwester bei ihr zu Hause geblieben, anstatt auszugehen, nur, um mit ihr auf dem Bett zu sitzen und Karten zu spielen. Oder sie hatten sich gemeinsam langweilige Soaps im Fernsehen angesehen. Serina hatte gespürt, dass Cleo sie brauchte, und nun dankte sie es ihr, indem sie ihr das glückliche Leben nicht gönnte und sich mit ihr verglich.
   Frustriert schnappte sich Cleo eines der Zierkissen, das auf ihrem Bett lag, und schmiss es gegen die Tür. Lautlos fiel es auf den Boden, ebenso wie Cleo immer wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht wurde. Ihr altes Leben war vorbei, sie musste sich endlich damit abfinden. Dr. Kain, der Psychologe, zu dem sie seit dem Unfall einmal im Monat ging, hatte ihr gesagt, dass sie nach vorn blicken müsse, um ihr neues Ich zu akzeptieren. Nur wusste sie einfach nicht, wie sie das machen sollte.
   Cleo stand vor einem Weg, den sie nicht kannte und der sie ängstigte. Es war so viel leichter, Wege zu gehen, die man bereits vorher beschritten hatte und bei denen man wusste, was einen dort erwarten würde. Der neue Weg hatte sie geradewegs in die Schule geführt und ihr bislang nichts als Kummer bereitet.
   Ein zaghaftes Klopfen an der Tür, und ihre Mutter steckte den Kopf ins Zimmer. »Darf ich dich kurz stören?«
   Cleo nickte und rückte, damit sie sich neben ihr auf das Bett setzen konnte.
   »Was war denn los?«, fragte ihre Mutter besorgt und musterte sie nachdenklich. »Hast du keine Lust, über deinen Geburtstag zu sprechen?«
   Ein Kloß sammelte sich in Cleos Hals, den sie hinunterzuschlucken versuchte. »Vielleicht möchte ich dieses Jahr nicht feiern«, eröffnete sie und erntete einen verwirrten Blick.
   »Aber wieso denn nicht?« Ihre Mutter legte unbewusst eine Hand auf Cleos Arm und begann ihn zu tätscheln. Eine Angewohnheit, die sie immer zeigte, wenn es um ernste Gesprächsthemen ging. »Ich dachte, nun, wo du wieder in der Schule bist, würdest du sicher groß feiern wollen. Mit all den Leuten aus deiner Schule.«
   Cleo versuchte, sich die Worte genau zurechtzulegen, um ihrer Mutter nicht den wahren Grund für ihre Geburtstagsunlust mitzuteilen. »Ich denke, ich bin noch nicht so weit, wieder so im Mittelpunkt zu stehen. Du weißt schon … wenn alle Blicke auf mich gerichtet sind. Das schaffe ich noch nicht«, erwiderte Cleo und war erstaunt darüber, dass es sogar der Wahrheit entsprach, auch wenn dies natürlich nicht der Hauptgrund dafür war, dass sie nicht feiern wollte. Eine Party ohne Gäste war schließlich eine ebenso frustrierende Vorstellung, wie von allen angegafft zu werden, während sie die Geburtstagstorte anschnitt.
   »Das verstehe ich.« Ihre Mutter lächelte verhalten, doch es erreichte ihre Augen nicht. Vermutlich wurde sie sich soeben wieder darüber bewusst, wie sehr sich Cleo durch den Unfall verändert hatte. »Vielleicht überlegst du es dir noch mal. Es sind ja noch ein paar Wochen bis dahin.« Sie stand auf und ging zur Tür.
   Sofort durchströmte Cleo Erleichterung darüber, das Thema vorerst beenden zu können.
   »Denk daran, dass du morgen nach der Schule zur Krankengymnastik musst.« Ihre Mutter drehte sich nochmals um, und Cleo nickte wissend. Wie könnte sie die wöchentlichen Termine vergessen?
   Obgleich es noch zu früh zum Schlafen war, zog sich Cleo ihren Pyjama und ihre Kompressionsmaske an. Eineinhalb Jahre hatte sie diese elende Maske tragen müssen, vierundzwanzig Stunden am Tag. Sie hatte sich darin wie gefangen gefühlt. Das Material war weich und angenehm, aber die Maske saß so eng, dass Cleo zu Beginn richtig Platzangst bekommen hatte. Das Gefühl, nur eine Öffnung an Augen und Mund zu haben und alles andere durch Stoff eingeengt zu wissen, war furchtbar, ebenso wie der Anblick im Spiegel, wenn sie das Ding anlegte. Gern hätte sie die Maske sofort wieder abgezogen und in den Müll geworfen, aber die Ärzte erklärten ihr immer und immer wieder, wie wichtig diese Maske sei, um die Narbenbildung so ästhetisch wie möglich zu gestalten und keine Wucherungen entstehen zu lassen. Etwas, das Cleo auf keinen Fall riskieren wollte. Daher hatte sie dieses Gefühl ertragen, Tag und Nacht, und schließlich geschafft, sich an die Hitze und die Beklemmung zu gewöhnen. Mittlerweile trug sie die Maske nur noch nachts und hoffte innig, dass auch das bald nicht mehr nötig sein würde.
   Seufzend ging sie ins Bett und schlief auf der Stelle ein.

Der zweite Schultag verlief ähnlich wie der erste: einsam. Cleo wurde nicht angesprochen und sprach auch niemanden an. Sie redete nur das Nötigste, wenn Lehrer sie nach einer Antwort fragten oder als sie in der Cafeteria nach ihrem Essenswunsch gefragt wurde. Ihr Essen verspeiste sie allein auf dem Schulhof unter einem großen Haselnussbaum und versuchte, den Blicken der anderen Schüler aus dem Weg zu gehen. Natürlich hätte sie sich die Mühe machen können, sich jemandem anzunähern, um den Versuch zu starten, neue Freunde zu finden. Doch Cleo spürte, dass sie eine erneute Abfuhr noch nicht verkraften würde. Ihr Selbstbewusstsein war am Boden, tief, tief unten, und würde keinen weiteren Absturz aushalten.
   Hin und wieder sah sie dieses blinde Mädchen – die Lehrer nannten sie Terisa – in ihrer Nähe und Cleo hatte ein, zwei Mal das Gefühl, von ihr verfolgt und beobachtet zu werden. Nur wusste sie, dass Terisa nichts sehen konnte, und so schien sie nur paranoid zu werden.
   Gemeinsam mit dem Klingeln nach der letzten Stunde verließ Cleo das Schulgelände und ging zur Praxis, in der sie ihre Krankengymnastik durchführen ließ. Die Verbrennungen hatten nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihren Hals betroffen und die Beweglichkeit eingeschränkt, sodass sie seit dem Unfall regelmäßig zur Physiotherapie gehen musste. Die Krankengymnastik war Cleo ein Dorn im Auge, auch wenn sie wusste, wie wichtig diese Termine waren.
   Zu Beginn hatte jede Übung geschmerzt. Man hatte ihr erklärt, dass sie an ihre Schmerzgrenze gehen müsse, um Erfolge zu erzielen, und wie wichtig es sei, um keine Muskelverkürzungen zu riskieren. Anfangs hatte sie jeden Tag zur Krankengymnastik gehen, jeden Tag diese Schmerzen ertragen müssen. Zu dieser Zeit waren ihr die Schmerzen so stark vorgekommen, dass sie regelmäßig zwischen Übelkeit und Erschöpfung geschwankt hatte und sie sich kaum auf die Übungen hatte konzentrieren können.
   Auch wenn es ihr mittlerweile leichter fiel und die Schmerzen nachgelassen hatten, blieben die negativen Assoziationen haften, obgleich Cleo nur noch wöchentlich hingehen musste. Die negativen Erinnerungen konnte auch der nette Physiotherapeut nicht ändern, der ihr Komplimente für ihre Entwicklung und ihre Mitarbeit machte. Die Narbenmassagen, die sie alle drei Wochen bekam, waren ihr sympathischer, auch wenn zunächst eine Hemmschwelle dagewesen war, sich an den Narben berühren zu lassen.
   Diesmal half die körperliche Arbeit bei der Krankengymnastik zum ersten Mal. Die Anstrengung verschaffte Cleo eine erstaunliche Befriedigung, als könnte sie mit jedem Schmerz, der ihr Hals ihr verursachte und den sie mit ihren Übungen brach, auch ihre seelischen Schmerzen loswerden. All die Empfindungen, die sie in den vergangenen Stunden hatte, schienen sich in die Übungen zu projizieren und sie anzuspornen. Früher, noch vor dem Unfall, hatte sie genau aus diesem Grund Sport gemacht und Handball gespielt. Sie wollte sich selbst spüren und ihre Gefühle in die körperliche Betätigung legen, um sich frei und unbeschwert zu fühlen. Handball fehlte ihr. Noch hatte Cleo nicht gewagt, zu fragen, wann sie wieder spielen dürfe. Zum einen, weil sie sich vor der Antwort fürchtete, zum anderen, weil sie sich zurzeit ohnehin nicht vorstellen konnte, wieder in einer Mannschaft zu spielen. Nicht, bevor sie ihr soziales Tief überwunden hatte und wieder unter Menschen sitzen konnte, ohne begutachtet zu werden wie ein Tier im Zoo.

Kapitel 3

Cleo schaffte es ohne weitere Nervenzusammenbrüche durch die ersten vier Schultage. Diese Tage waren zwar traurig und einsam, aber immerhin schaffte sie es mittlerweile, das Getuschel um sie herum abzustellen und nicht so genau hinzusehen, wenn andere sie musterten. Immer wieder kam ihr der Gedanke, dass sich die Schüler mittlerweile an ihren Anblick gewöhnt haben müssten, doch dies schien nicht der Fall zu sein. Besonders die jüngeren Schüler behandelten sie wie eine Schaustellerin in einer Geisterbahn. Sie liefen in den Pausen zu ihr herüber, um dann kreischend davonzulaufen, sobald sie ihre Blicke erwiderte. Es war grausam und kindisch.
   Nun stand sie kurz vor dem Wochenende und vor ihrer ersehnten Ruhe, die sie dringend brauchte.
   »Na, ist denn heute schon Halloween?«, pöbelte einer der älteren Schüler, als Cleo auf dem Weg zur Sporthalle war.
   Gewissenhaft ging sie an dem dämlich grinsenden Jungen vorbei und versuchte, seinen Spruch zu ignorieren, auch wenn er sie traf wie ein Faustschlag ins Gesicht. Es war nicht das erste Mal, dass sie solch einen Spruch in den letzten Tagen gehört hatte, und doch schmerzte er noch immer. Erst recht aus dem Mund eines Jungen, der sie früher vermutlich hübsch gefunden hätte. Es zeigte Cleo, wie sehr sie sich verändert hatte und wie wenig Hoffnung auf Liebe und Zuneigung sie in Zukunft haben würde.
   »Hast du neben deinen Haaren auch deine Fähigkeit zu sprechen verloren?«, pöbelte der Junge weiter und schnitt ihr den Weg ab.
   Cleo blieb abrupt stehen. Was sollte sie tun? Sie blickte Hilfe suchend um sich, fand jedoch niemanden, der ihr helfen könnte.
   »Lass mich in Ruhe«, bat Cleo bestimmt und versuchte vergebens, an ihm vorbeizukommen.
   »Ist echt krass, dass du dich mit dieser Visage in die Schule traust.« Der Junge grinste abfällig.
   »Hast du nicht gehört, dass du sie in Ruhe lassen sollst, du Idiot?«, erklang plötzlich eine Stimme hinter Cleo.
   Hoffnungsvoll drehte sie sich nach ihrer Retterin um und blickte direkt in die Augen von Terisa.
   »Sieh mal einer an. Da haben sich ja zwei gefunden: Die Blinde und das Monster«, johlte der Junge und klatschte vergnügt in die Hände, als hätte er noch nie so einen guten Witz gehört.
   Cleo schoss die Röte in ihre Wange. Jetzt war es schon so weit, dass man sie das Monster nannte! Terisa hingegen schien unbeeindruckt von den blöden Sprüchen und baute sich neben Cleo auf, was beeindruckend war – schließlich konnte sie nicht mal sehen, was für ein riesiger Typ vor ihnen stand. Er hätte sie sicherlich k. o. schlagen können, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn er das gewollt hätte. Und doch zögerte Terisa nicht eine Sekunde.
   »Lass uns vorbei«, sagte sie laut und bestimmt.
   »Und was, wenn nicht?«
   Terisa wollte gerade etwas erwidern, als Cleos Sportlehrer um die Ecke bog.
   »Was ist hier los?«, fragte er streng und blickte auf den Jungen, der mit einem Mal nicht mehr so belustigt aussah.
   Es folgte eine satte Standpredigt für den Jungen und ein Verweis, ehe dieser mit eingezogenen Schultern davonschlurfte.
   Terisa lächelte zufrieden, und Cleo beschlich das Gefühl, dass sie gewusst hatte, dass der Lehrer in der Nähe gewesen war und sie deswegen so laut gesprochen hatte.
   »Ist alles in Ordnung bei euch Mädchen?«, fragte Herr Hubertus, nachdem der Junge verschwunden war.
   »Ja, alles gut«, antwortete Cleo. Sie war es nicht gewöhnt, sich von anderen einschüchtern zu lassen und sich nicht wehren zu können. Früher hätte sie sich gewehrt und wäre nicht auf die Hilfe eines anderen Mädchens angewiesen gewesen. Erst recht nicht von einem Mädchen wie Terisa. Es war peinlich, wie machtlos Cleo gewesen war.
   »Cleo, in meinen Unterlagen steht, dass du noch keinen Sport machen darfst?«, fragte ihr Sportlehrer und riss sie aus ihren Gedanken.
   »Solange ich noch Krankengymnastik für meinen Hals bekomme, soll ich noch keinen Sport machen.«
   Der Sportlehrer tippte sich nachdenklich mit seinem Finger gegen die Lippen. »Ah ja«, überlegte er laut. »Terisa, du bist auch vom Sport befreit«, stellte er mit einem Blick auf das Mädchen fest. »Ich darf euch nicht nach Hause entlassen, das ist gegen die Vorschrift. Aber ihr könnte euch gern hier draußen auf dem Schulhof aufhalten oder auch in der Halle.«
   »Ich würde gern draußen bleiben«, entschied sich Cleo, um den anderen Mitschülern aus dem Weg gehen zu können.
   »Ich auch«, sagte Terisa.
   Cleo musterte das Mädchen skeptisch. Hatte sie vor, die Sportstunde mit ihr gemeinsam zu verbringen? Zugegeben war die Aktion mit dem Jungen cool von ihr gewesen, aber sie wollte nicht, dass sich Terisa deswegen einbildete, sie würden gleich auf Blutsschwesternschaft trinken.
   »Meldet euch aber bitte zum Ende der Stunde bei mir ab, damit ich weiß, dass ihr nicht früher gegangen seid.« Herr Hubertus ging zu den anderen Schülern und ließ sie allein.
   Cleo fühlte sich sofort unbehaglich. »Vielen Dank für … du weißt schon. Für deine Rettung«, stammelte Cleo.
   »Jederzeit gern. Dumme Sprüche und Idioten gibt es immer wieder, aber denen muss man einfach zeigen, dass sie einen nicht beeindrucken. Ich kenne das Problem.«
   »Hm, kann sein«, erwiderte Cleo. Es gefiel ihr nicht, dass sich Terisa mit ihr auf eine Stufe stellte, als hätten sie ähnliche Probleme. Dieses Mädchen war behindert, und Cleo war es nicht. Das, was sie hatte, war vollkommen anders, auch wenn sie es nicht genau definieren konnte.
   »Na, jedenfalls wollte ich Danke sagen«, wiederholte Cleo und drehte sich von Terisa weg, um sich einen Platz auf dem Hof zu suchen.
   »Was machst du denn jetzt, während du wartest?«, fragte Terisa, und Cleo drehte sich nochmals zu ihr um.
   Erwartete sie wirklich, dass sie zusammen herumhingen?
   »Meine Hausaufgaben, schätze ich. Hier habe ich die nötige Ruhe.« Die Betonung lag auf dem Wort Ruhe, und Cleo hoffte, das Mädchen würde diesen Wink verstehen und sie allein lassen. Sie wollte nicht so tun, als wären sie Freundinnen oder als hätten sie irgendetwas gemeinsam.
   »Gute Idee. Ich nutze die Zeit, um ein bisschen zu lesen.« Terisa lächelte. »Dann viel Spaß.«
   Terisas Blindenstock wurde in Bewegung gesetzt, mit kleinen Pendelbewegungen von links nach rechts. Augenblicklich war Cleo allein und vollkommen perplex. Sie hatte damit gerechnet, dass das Mädchen sie fragen würde, ob sie die Zeit zusammen verbringen würden. Obwohl alles in ihr danach geschrien hatte, die Sportstunde allein zu verbringen, fühlte es sich schlecht an, von Terisa stehen gelassen zu werden. Wie eine Abfuhr.
   Cleo setzte sich auf eine der Bänke auf dem Hof und breitete vor sich ihre Schulsachen aus. Sie hatte viel Stoff aufzuholen, sodass ihr die Hausaufgaben wie unbezwingbare Berge vorkamen. Im ersten Jahr nach dem Unfall war an Schule nicht zu denken gewesen. Cleo war damals viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, ihre Schmerzen auszuhalten und tägliche Prozeduren – von Krankengymnastik bis hin zur Wundversorgung – über sich ergehen zu lassen. Im zweiten Jahr musste sie zu Hause bleiben und war ambulant betreut worden. Ihre Eltern hatten einen Hauslehrer organisiert, der das Nötigste mit ihr durchgegangen war und dafür gesorgt hatte, dass sie anstatt zwei Jahre nur ein Jahr zurückversetzt werden musste. Doch schon nach den wenigen Tagen, die sie wieder in der Schule war, bemerkte Cleo ihre großen Wissenslücken. Obwohl sie vor ihrem Unfall eine gute Schülerin gewesen war.
   Auch diesmal, brütend über ihren Matheaufgaben, verstand sie überhaupt nichts. Sie blickte auf die linearen Gleichungen und spürte in ihrem Kopf gähnende Leere. Cleo verstand weder die Aufgaben noch die Rechenwege noch wusste sie, was lineare Gleichungen wirklich waren. Leise fluchend legte sie ihren Kugelschreiber beiseite. Es war frustrierend, dass nichts, wirklich gar nichts, klappen wollte.
   Sie ließ ihren Blick über den Schulhof wandern und entdeckte Terisa, die an einen Baum gelehnt war und ein Buch las. Ihre Finger fuhren schnell und sicher über die einzelnen Seiten. Cleo hatte bereits im Unterricht gesehen, wie Terisa las und wusste, dass in ihren Büchern punktförmige Erhebungen waren, die Terisa ertasten konnte. Neugierig beobachtete sie das Mädchen. Ihre Finger waren schnell, ebenso schnell, wie manch einer mit den Augen lesen konnte, und Cleo juckte es in den Fingern, auch einmal Blindenschrift ertasten zu wollen. Es interessierte sie, was für ein Gefühl es wohl wäre, die Schrift zu fühlen, und ob sie Unterschiede zwischen den einzelnen Punkten würde erspüren können.
   Cleo schüttelte den Kopf. Sie musste aufhören, an so etwas zu denken und sich mehr auf ihre Hausaufgaben konzentrieren. Trotzdem erwischte sie sich immer wieder dabei, wie sie zu Terisa hinübersah und ihren Fingerbewegungen fasziniert folgte.

Am Wochenende überredeten Cleos Eltern sie, mit ihnen ein Restaurant zu besuchen. Gern hätte sich Cleo im Haus verbarrikadiert und eine Pizza bestellt. Sie ging nicht mehr gern aus. Schon lange nicht mehr, erst recht nicht, nachdem die ersten Schultage so schlecht verlaufen waren. Sich auch noch am Wochenende der Öffentlichkeit zu präsentieren, kam ihr wie blanker Irrsinn vor. Das Wochenende sollte ihr schließlich Ruhe vor den Gaffern verschaffen, nicht noch mehr davon bescheren. Doch sie hatte es nicht ertragen können, die enttäuschten Ausdrücke auf den Gesichtern ihrer Eltern zu sehen, die sich bereits angedeutet hatten, als sie gezögert hatte, ihre Einladung anzunehmen. Sie war sich durchaus bewusst, welche emotionale Belastung ihr Unfall auch für ihre Eltern war. Sie bemühten sich wirklich, sie aufzubauen und sie aktiv ins Familienleben einzubinden, auch wenn sie dies nur noch selten zuließ – zumindest, wenn es um Aktivitäten außerhalb des Hauses ging. Sie war durchaus gewillt, mit ihrer Familie zusammen DVDs zu schauen oder Spiele zu spielen. Selbst die peinlichen Kindervideos, die in ihren ersten Lebensjahren entstanden waren, hatte sie seit ihrem Unfall mehrfach mit ihnen angesehen, obwohl diese alle in Windeln oder in der Badewanne entstanden waren und dadurch nicht zu ihren Lieblingsfilmen gehörten. Doch sie konnte es ebenso verstehen, dass ihre Familie nicht ans Haus gefesselt sein wollte. Besonders Serina hatte in den vergangenen zwei Jahren viel zurückstecken müssen, wo doch Cleo im Mittelpunkt gestanden hatte. Auch wenn sich Cleo sicher war, dass Serina die Unaufmerksamkeit ihrer Eltern für den ein oder anderen heimlichen Ausflug zu einer Party genutzt hatte und es somit nicht nur schlechte Aspekte für ihre Schwester gab.
   Der Italiener war zu Cleos Unbehagen rappelvoll. Hatten die Leute an einem Samstagabend nichts Besseres zu tun, als Essen zu gehen? Kochte heutzutage niemand mehr sein Essen selbst? Während sie zu ihrem Tisch gebracht wurden, sah Cleo die üblichen mitleidigen Blicke, an die sie sich vielleicht nie gewöhnen würde.
   »Mama, guck mal«, sagte ein kleines Mädchen und zeigte auf Cleo. »Warum siehst sie so komisch aus, Mama?«
   »Pst, man zeigt nicht mit dem Finger auf Leute«, antwortete die Mutter und ignorierte die Frage ihrer Tochter. Stattdessen sah sie Cleo entschuldigend an.
   Cleos Reaktion war ein gespieltes, verständnisvolles Lächeln, aber im Inneren hätte sie am liebsten geschrien. Nicht, dass sie sauer auf ein Kind wäre, in dessen Natur es lag, neugierig zu sein. Sie war vielmehr sauer, dass sie hier war, um sich diesen neugierigen Blicken überhaupt stellen zu müssen. Sofort bereute sie es, dass sie ihrer Familie zuliebe mitgegangen war. Sie hätte längst zu Hause eine Pizza essen und eine Folge Pretty Little Liars gucken können.
   Ihre Eltern schienen von den Blicken und der Frage des Mädchens nichts mitbekommen zu haben. Sie setzten sich zufrieden an ihren Tisch und bestellten sofort Getränke. Der Kellner vermied es, Cleo anzusehen – auch eine Taktik, die viele Menschen anwandten und die Cleo noch schlimmer fand als die offensichtlichen Blicke. War sie inzwischen so hässlich, dass man sich nicht mal traute, sie anzusehen? Oder waren die Menschen durch ihr Äußeres schlicht peinlich berührt, weil sie nicht wussten, wie sie damit umgehen sollten? Sie wünschte sich, dass die Leute sie normal ansehen würden. Ohne Mitleid, ohne Ekel, einfach normal.
   Doch während sie an ihren Pizzabrötchen knabberte, die es zur Vorspeise gab, wurde ihr klar, dass auch sie sich nicht normal ansah, wenn sie in den Spiegel blickte. In Wahrheit war sie selbst voller Ekel, so traurig das klingen mochte.

Kapitel 4

Cleo lag mit dem Kopf auf ihrem Tisch, die Augen geschlossen. Sie war noch nie ein Morgenmensch gewesen, besonders Montage verabscheute sie. Dass sie in der ersten Stunde mit Mathe gequält werden würde, half ihrer Laune nicht im Geringsten.
   »Guten Morgen, Cleo«, begrüßte sie jemand im Vorbeigehen. Sie hob blinzelnd den Kopf und beobachtete, wie sich Terisa zwei Tische weiter auf ihrem Platz niederließ. Diese Begrüßung kam unvorbereitet, und Cleo starrte Terisa perplex an. Ehe sie sich überlegen konnte, zurückzugrüßen, kam ihre Lehrerin herein und begann mit dem Unterricht.
   Cleo musterte Terisa von der Seite. Sie fand dieses Mädchen immer noch merkwürdig, auch wenn sie inzwischen wusste, dass ihr geisterhaftes Aussehen abgemildert wurde, sobald Terisa lachte. In diesen Momenten schienen ihre Augen weniger milchig und leer. Trotzdem wusste sie nicht, was sie von ihr halten sollte. Alles, was sie bislang gemacht hatte, war für Cleo ein Rätsel. Wieso hatte sie ihr bei dem Kerl geholfen? Wieso hatte sie sich dann zum Lesen zurückgezogen, anstatt die Zeit gemeinsam mit ihr verbringen zu wollen? Und wieso grüßte sie sie nun? Welches Interesse hatte sie an ihr? Wo doch sonst niemand Interesse an ihr zu haben schien. Schließlich war Terisa die Einzige an der Schule, die seit ihrer Rückkehr überhaupt richtig mit ihr gesprochen hatte und die Einzige, die sie grüßte. Die anderen hielten sich eher zurück, ebenso wie sie selbst.
   Cleo kannte die Absichten nicht, die hinter Terisas Verhalten standen, aber auch wenn es ihr widerstrebte, wollte sie wissen, was dahintersteckte.
   Trotz ihrer Überlegungen verließ sie an diesem Tag die Schule, ohne sich Antworten zu holen.
   Die Krankengymnastik war anstrengend und forderte ihre volle Aufmerksamkeit, sodass sie währenddessen keine Zeit hatte, weiter ihren Gedanken um Terisa nachzugehen. Erst, als sie danach ermüdet in der Badewanne lag, den weichen Schaum um sich herum spürte und das warme Wasser ihren schmerzenden Hals besänftigte, dachte sie wieder an das blinde Mädchen. Es war ihr schleierhaft, wieso sie ihr immer wieder im Kopf umherspukte, nachdem sie sich so sehr einzureden versucht hatte, dass dieses Mädchen sie nicht interessierte. Vielleicht lag es daran, dass sich Cleo einsam fühlte – wenn sie ehrlich war. Vielleicht lag es auch an Terisas Art, sie miteinzubeziehen, anstatt sie zu schneiden, so wie es die anderen machten. Irgendwie imponierte ihr das.

Am nächsten Morgen kämpfte Cleo mit schwitzenden Händen und blutdurchtränkten Wangen. Sie musste einen Vortrag in der Schule halten, und die Aufregung übermannte sie in regelmäßigen Schüben. Sie hatte am Abend zuvor extra vor dem Spiegel geübt, um ein Gefühl für ihre Worte und die richtige Körperhaltung zu bekommen. Aber ihr Spiegelbild und die Narben hatten sie immer wieder aus dem Konzept gebracht, sodass sie diesen Versuch schnell aufgegeben hatte.
   Früher hätte sie diese Aufgabe nicht vor eine Herausforderung gestellt, denn ihr war es leichtgefallen, vor Publikum zu sprechen. Doch diesmal war sie das erste Mal in der Geschichte ihrer Schullaufbahn wirklich aufgeregt, was zur Folge hatte, dass sie sich beim Vortrag diverse Male verzettelte und eine ihrer Karteikarten fallen ließ, was zu allgemeinen Kicheranfällen und Getuschel ihrer Mitschüler führte. Die Lehrerin lobte sie im Nachgang und lächelte ihr zu, aber es wirkte mehr, als hätte Frau Lietz Zahnschmerzen, als dass sie ihr Lob ernst meinte.
   Cleo war schlecht gewesen. Punkt. Es hatte nicht einmal am Thema selbst gelegen, das sie gut verstanden hatte. Es waren eher die Blicke gewesen und die Situation, im Mittelpunkt zu stehen. Das Rampenlicht stand ihr scheinbar nicht mehr. Wenn sie sich früher gern darin gesonnt hatte, hatte sie nun eher das Gefühl, sich daran zu verbrennen.
   Nach der Stunde eilte sie auf den Flur, ohne auf die anderen zu achten. Die Präsentation hatte ihr jeglichen Appetit geraubt, sodass sie sich auf den Weg zu ihrem Spind machte, anstatt wie die anderen in die Cafeteria zu gehen. Sie würde lieber ihren Zeichenblock holen und malen, um auf andere Gedanken zu kommen und diese grässliche Stunde zu verdrängen.
   Am Spind angekommen entdeckte Cleo Terisa, die sich durch die Menge der Schüler kämpfte. Es war erstaunlich, wie sie sich durch die Schar manövrierte, obwohl sie die Hindernisse nicht sehen konnte. Die meisten Schüler waren es bereits gewöhnt, ihr Platz zu machen, aber es gab auch immer wieder Idioten, die sich demonstrativ in den Weg stellten, sodass Terisas Blindenstock an sie stieß. Cleo beobachtete, wie Terisa um einen dieser Idioten herumging, der so dreist war, keinen Platz zu machen. Ihr Blick wanderte zu Boden. Cleo registrierte, dass der Idiot seine Tasche mitten im Flur geparkt hatte und der Riemen gefährlich nahe an Terisas Füßen lag – an einer Stelle, an der ihr Stock bereits vorbeigependelt war. Sie wollte eine Warnung rufen, als sie bereits sah, wie sich Terisas Fuß verhakte. Sie stolperte, geriet ins Straucheln und krallte sich an dem Idioten fest, der lautstark protestierte, als sie an seinem Kragen hing. Terisas Bücher, die sie unter dem linken Arm getragen hatte, fielen mit einem Knall zu Boden, wo sie sich verstreuten.
   Einige der vorbeilaufenden Schüler glotzten auf die Bücher, als wäre es ein neues Weltwunder, machten aber keine Anstalten, sie aufzuheben. Noch ein paar dieser Idioten …
   Cleo rollte unwillkürlich mit den Augen, seufzte kapitulierend und bückte sich.
   »Hier. Die hast du fallen gelassen«, sagte sie und überreichte Terisa die Bücher.
   »Danke, Cleo. Das ist wirklich nett von dir.« Terisa stellte sich wieder in einen sicheren Stand und nahm die Bücher entgegen. Der Idiot mit der Tasche verschwand, als hätte ihn eine Tarantel gestochen. Vermutlich hatte es ihm nicht gefallen, wie Terisa ihm an den Kragen gegangen war.
   »Keine große Sache. Stand ohnehin direkt daneben«, antwortete Cleo und eilte ohne ein weiteres Wort davon.
   Die restlichen Schulstunden über wich sie Terisa aus. Terisa unternahm jedoch auch keine Versuche mehr, mit ihr in Kontakt zu treten.
   Als es zum Schulschluss läutete, rannte Cleo förmlich aus dem Schulgebäude. Die Schlange vor den Schulbussen war bereits ellenlang, und ihr war diese Menschenmenge mit einem Mal unangenehm. Nach dem Vortrag und den Gefühlen, die er in ihr ausgelöst hatte, wollte sie nicht Teil dieser Menge werden. Sie wollte nicht schon wieder ungewollt im Mittelpunkt stehen, weil alle einen Schritt zurückweichen würden, wenn sie kam. Und sie wollte auch nicht wieder die Lästereien mitanhören. Deswegen schnappte sie sich ihr Smartphone und ihre Kopfhörer, stellte ihre Lieblingslieder an und ging zu Fuß.
   Der Weg führte sie durch ein kleines Waldstück, dann auf Feldwege. Obwohl sie gewählt hatte, zu Fuß zu gehen, kam sie sich plötzlich sehr einsam vor. Sie war allein. Sie hatte außerhalb ihrer Familie niemanden.
   Nachdenklich ließ sie sich von ihren Füßen leiten und fand sich vor der Handballhalle wieder, in der sie früher trainiert hatte. Sie sah noch genau so aus, wie sie sie in Erinnerung hatte, und Cleos Magen zog sich sofort zusammen. Zu viele Erinnerungen und Assoziationen trafen auf sie ein. Der vertraute Geruch und das Geräusch von einer entfernten Trillerpfeife, weil vermutlich gerade jemand auf dem Außengelände trainierte. Es war, als wäre Cleo vor eine Wand gelaufen, so sehr schmerzte das Wissen darum, dass dort jemand trainierte und sie nicht an diesem Training teilnehmen konnte. Schon seit zwei Jahren nicht … und wer wusste, ob sie überhaupt wieder mehr werden könnte als ein Zuschauer. Vielleicht würde sie nie wieder in ihrem rot-weißen Trikot die Hallen betreten und nie wieder den Ball ins Netz schmettern. Vielleicht war dieser Teil von ihr ebenso verloren wie ihre makellose Haut oder ihr Haar.
   Frustriert kickte sie einen Stein weg, der auf dem Gehweg lag. Es schmerzte im dicken Zeh. Cleo genoss das Gefühl. Sie drehte die Musik lauter, bis die Ohren ebenso schmerzten. Dann machte sie sich auf den Heimweg und ließ die Handballhalle hinter sich.
   Zu Hause badete sie heiß, voller Hoffnung, dieser grausame Tag würde abgewaschen werden, aber es funktionierte nicht. Selbst eine Folge ihrer Lieblingsserie konnte sie nicht ablenken. Nicht nur Handball beschäftigte sie, auch Terisa spukte nach wie vor in ihrem Kopf herum. Am Laptop erwischte sich Cleo dabei, wie sie Terisa auf Facebook suchte. Aus dem Unterricht wusste sie, dass Terisa Computer ebenso nutzen konnte wie sehende Menschen. Tatsächlich fand sie ihr Profil innerhalb weniger Klicks. Sie scrollte sich durch die Bilder, auf denen Terisa meistens mit einem blonden Jungen zu sehen war, den Cleo aus der Schule kannte. Er war in einigen ihrer Kurse, auch wenn sie noch nie mit ihm gesprochen hatte. Sie schienen gute Freunde zu sein … oder ein Paar, denn sie waren fast überall zusammen markiert: in der Eisdiele, im Park, und es gab auch einige Fotos an einem See. Cleo fiel auf, wie sehr Terisa auf allen Bildern strahlte. Gedankenverloren starrte sie auf Terisas Profilbild, das sie in einem luftigen Kleid und mit einer Sonnenbrille zeigte. Ihr Lächeln war darauf warm und einnehmend. Hätte sie nicht gewusst, dass Terisa blind war, hätte sie es anhand dieses Bildes nicht erkannt. Sie sah aus wie ein normales Mädchen, und Cleo fiel zum ersten Mal auf, wie hübsch Terisa war, wenn man nicht ständig nur auf ihre Augen starrte.
   Ihre Maus verweilte auf dem Freundschaftsanfrage-senden-Button. Irgendetwas schrie in ihr, dass sie noch mehr über Terisa erfahren wollte.
   Kopfschüttelnd bewegte Cleo ihre Maus weg und schloss ihren Laptop. Das war doch lächerlich!

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